Was ist eigentlich ein Lernerfolg?

Wenn wir über Erfolge in der Erziehung und Ausbildung reden, verweisen wir gerne auf die Bewertung. „Er hat die Prüfungen mit Bravour bestanden“, „Sie hat ein hervorragendes Zeugnis“. Analysiere die Sätze und finde die Fehler!

Egal wie die Methode zur Darstellung von Erfolgen in Schulen aussieht, ist es immer eine fremdbestimmte allein durch die Tatsache, dass die Messkriterien nicht in Abstimmung mit dem/der Lernenden festgelegt sind, ganz zu schweigen von der Auswahl eines bestimmten Resultatwerts. Zudem werden diese Ergebnisse meist in einer künstlichen, fremdbestimmten Testsituation ermittelt. Ausgerechnet die Fähigkeit, in einer komplexen, widersprüchlichen Welt zurechtzukommen, wird so nicht gemessen.

Abgesehen von dieser faktischen Unzulänglichkeit ist eine Bewertung von Menschen aufgrund ihrer Leistung eine fragwürdige Degradierung zur „Ressource“. Wo bliebt der Mensch mit seinen Plänen und Wünschen und seiner Notwendigkeit nach guten Beziehungen?

Wenn ich also Ergebnisse auf eine sachlich begründete, faire und respektvolle Weise reflektieren will, wie kann ich vorgehen?

Messkriterien

Aus meiner Sicht kann nur das individuelle, vom Schüler vereinbarte Ziel die Erfolgsgröße sein, gegen die evaluiert wird. Idealerweise in zeitgleichen Abständen, so dass Änderungen intuitiver erfasst werden können.

Der von Schülern der Agora Schule in Roermond in einem Schüler-Startup hergestellte Progress Monitor leitet seine Features direkt aus der eigenen Erfahrung ab und die Schüler zeigen wichtige Erfolgskriterien für die Bewertung auf:

  • Relevante Kategorien, die mit der Welt-Realität des Schülers zu tun hat, in der er lernt

  • ein Assessment, das Schülerinnen mit ihrem früheren Selbst vergleicht, nicht mit anderen (Fortschritt statt Ergebnis)

  • die Selbstbestimmtheit über die wichtigen Aspekte des Prozesses (Auswahl der Kategorien und gleichwertige Selbsteinschätzung)

  • die Begleitung des Assessments durch den Coach, der auch den Lernprozess an sich begleitet und somit konstruktives Feedback und eine begründbare Fremdeinschätzung liefern kann

Ablauf

Unser erster SEFLSCRUM Prozess skizzierte den Ablauf eines Assessments wie folgt:

Schüler und Coach treffen sich zu einem Assessment, das jeder mit Ideen-Zetteln vorbereitet hat.

Beide kombinieren die Zettel auf einem Whiteboard, erklären sie und strukturieren sie in Kategorien.

Aus dieser Übung erwächst eine beidseitige Einschätzung des Lernerfolgs und gleichzeitig ein Grobplan für das nächste Intervall.

Das Assessment ist erst beendet, wenn beide Teilnehmer explizit ihr Einverständnis mit dem Verlauf und dem Ergebnis des Gesprächs erklärt haben.

(In meiner Vorstellungswelt verläuft der ganze Prozess natürlich mit digitalen Tools :wink: )

Links

Die (virtuelle) Zettel-Methode ist genial! Ich weiß was Persönliches dazu:
Wenn man eine Fremdsprache lernt, die mit einem fremden Alphabet geschrieben wird, etwa Arabisch, Japanisch oder Hebräisch, dann bestehen die meisten Sprachenlehrer’innen darauf, dass man zunächst lernt, das fremde Alphabet flüssig zu lesen. Das Gehirn verarbeitet die Leseinformationen aber sehr langsam, es dauert mitunter Jahre, bis man das fremde Alphabet fließend lesen kann.
Das erste Ziel ist aber doch die Kommunikation! Also wäre es sinnvoll, Texte zu hören, zu sprechen, Fragen zu beantworten - und die Erlernung des Alphabets nebenher mitlaufen zu lassen.
Nicht alle Lehrkräfte lassen sich darauf ein, dies schon als Erfolg zu werten.

Danke für deinen Beitrag :wink: Ich glaube auch, dass Praxis am meisten hilft, besonders bei Sprachen. Es scheint allerdings verschiedene Lernweisen zu geben. So folgt z.B. Babble diesem Konzept. Ich bin damit gar nicht klar gekommen, ich finde Alphabete und Grammatiken sehr hilfreich.
Aber ich bin ja auch Nerd :nerd_face:

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Ich habe auch - immerhin einen - Studienkollegen, der mit dem verrückten Alphabet der Telugu-Sprache besser zurecht kommt als mit der Latinisierung. Deswegen glaube ich auch nicht, dass meine Methode alleinseligmachend ist. Meine Beobachtung, dass ich persönlich für so ein Alphabet ewig brauche, bestätigt mir nur, dass Lehrende und Lernende die Erfolgsbewertungskriterien miteinander absprechen sollen.

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